Wo ist Fred?

Wo ist Fred - CoverAnno Saul liefert hier mit Wo ist Fred? mit Til Schweiger in der Hauptrolle und tollen Nebendarstellern eine deutsche Komödie im amerikanischen Stil ab, die vollends überzeugen kann und die Flaggen der deutschen Filmindustrie nicht auf Halbmast hängen lässt.

Fred ist ein einfacher Bauarbeiter, der eine Verlobung mit seiner Freundin Mara plant. Diese hat aber bereits einen Sohn namens Linus, der alles andere als ein liebes Kerlchen ist, vielmehr ein echtes kleines Arschloch. Für Mara ist die Beziehung zu ihrem Sohn aber sehr wichtig und so soll Fred das Herz des kleinen Bengels erobern, damit sie eine kleine nette Familie sein können. Dafür soll Fred einen Basketball von Linus‘ Lieblingsspieler beschaffen. Nach jedem Heimspiel wird nämlich der Spielball in die Zuschauerränge geworfen. Das Problem hierbei ist die Tatsache, dass der Ball nur in Richtung der Behindertentribüne geworfen wird. So steht Fred scheinbar vor einem unlösbaren Problem. Doch dann hat er die Idee: Als Rollstuhlfahrer schmuggelt er sich mit Hilfe seines Kumpels Alex auf die Behindertentribüne und kann sogar den Ball nach dem Spiel ergattern. Die Freude über den Ball währt aber nicht lange, denn es dauert eine Woche bis der Ball signiert wird und in der Zwischenzeit soll Fred in einem Imagefilm von Alba Berlin mitwirken. Einem Imagefilm bei dem Behinderte eine wichtige Rolle spielen…

Ich bin kein Anhänger deutscher Filme und schon gar nicht deutscher Komödien. Was hier aber dem Zuschauer geboten wird verdient höchsten Respekt. Ich habe den Film jetzt zweimal gesehen und beide Male konnte ich mich kaum halten vor Lachen. Humor ist ja bekanntermaßen Geschmackssache, aber wer hier nicht unbedingt mit dem Moral-Knüppel wedelt, kann seinen Spaß haben. Angefangen bei der Story, die sehr durchdacht und rund erzählt wird. Dabei gilt es aber die erste Viertelstunde zu überstehen, bevor der Film wirklich ins Rollen kommt. Dann wird dem Zuschauer Humor und Slapstick vom Feinsten geboten.

Wichtig dabei sind die Darsteller, die dazu beitragen, dass der Film gelingt. Ein Til Schweiger ist dabei nicht unbedingt lustig im konventionellen Sinne und ein echter Slapstick-Darsteller wird er sicherlich nie. Aber gerade diese Tatsache macht seine Szenen lustig. Seine Unbeholfenheit ist gewiss nicht immer nur gespielt, passt aber perfekt für seine Rolle. Seine Darstellung des Fred hat etwas Natürliches und fügt sich perfekt in den Film ein. Mein persönlicher Star des Films ist aber Jürgen Vogel, der den Kumpel von Fred spielt, Alex. Mit seinen Kommentaren sorgt er für die meisten Lacher. Die restlichen Rollen sind ebenso gelungen besetzt worden: Alexandra Maria Lara als Denise, die etwas naive Imagefilmerin, Anja Kling als Freds (fast-) Verlobte Mara oder Christoph Maria Herbst als Ronnie, der griesgrämige Rollstuhlfahrer.

Wo ist Fred? wirkt in seiner Art eher wie eine amerikanische Produktion als eine deutsche. Ein Vergleich mit Chuck & Larry fällt mir spontan ein, wobei die Kombo Fred & Alex ihr amerikanisches Pendant um Längen schlägt. Für eine Komödie ist Wo ist Fred? schon teilweise mit einer Laufzeit von 102 min. (ohne Abspann) zu lang. Durch die gelungene Story kann diese Tatsache aber verschmerzt werden. Ob nun Wo ist Fred? „behindertengerecht“ ist, kann ich persönlich nicht so beurteilen wie Betroffene. Für meinen Geschmack werden körperlich und geistig Benachteiligte Menschen nicht negativ dargestellt oder gar lächerlich gemacht. Geschmacklos ist dieser Film mit Sicherheit nicht. Obwohl es hier und da auch mal etwas derbe sein kann.

Die Erstauflage dieses Films kam im Pappschuber raus. Als Bonusmaterial gibt es einen Audiokommentar von Regisseur Anno Saul und zusätzlich Outtakes, Interviews, B-Roll etc. (Gesamtlaufzeit ca. 55 min.). Ich kann Wo ist Fred? absolut empfehlen!

23. Februar 2013 | Verfasst von in Hollywood, Independent & Co | 0 comments

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