Three … Extremes

Three... Extremes - CoverZunächst sei erwähnt, dass Three … Extremes keine Horrorfilme im eigentlichen Sinn sind. Obwohl die Altersfreigabe und die Trailer es vermuten lassen könnten. Es geht vielmehr um Extremsituationen, in denen sich die Charaktere in jedem der drei (Kurz-) Filme befinden. So entfalten sich unter dem Deckmantel des Horror teils poetische Bilder. Einfach hervorragend.

DUMPLINGS 

Die frühere Schauspielerin Lee Ching will etwas gegen ihr Alter tun, um so wieder für ihren Mann attraktiver zu erscheinen, der sich lieber mit jüngeren Frauen vergnügt. Deshalb besucht sie eine Frau namens Mei, deren Teigtaschen eine verjüngende Wirkung haben sollen. Doch ist die entscheidende Zutat der Teigtaschen etwas Unvorstellbares…

CUT 

Ein erfolgreicher Regisseur kommt nach einem Drehtag nach Hause und wird von einem ehemaligen Statisten, der in seinen Filmen mitspielte, niedergestreckt. Als er wieder zu sich kommt, findet sich der Regisseur an ein Gummiband gefesselt auf seinem Filmset wieder. Seine Frau, eine bekannte Pianistin, befindet sich ebenfalls dort, indem sie an ein Klavier gebunden ist. Der Täter will es einfach nicht wahr haben, dass der Regisseur reich UND freundlich ist. Also zwingt er ihn ein Mädchen, das sich ebenfalls am Set befindet, zu erwürgen. Je länger er wartet, desto weniger Finger bleiben seiner Frau…

BOX 

Kyoko träumt jede Nacht, dass ein Mann sie in einen Plastiksack wickelt und dann in einer Kiste unter der Erde begräbt. Als dann noch der Geist ihrer Schwester auftaucht, kommen in Kyoko Erinnerungen an ihre Kindheit hoch. Sie und ihre Schwester traten in der Zirkusshow ihres Vaters auf. Nach der Vorstellung wurde aber nur Kyokos Schwester gelobt. Der Neid in Kyoko wurde immer größer, so dass sie ihre Schwester in einer Kiste verschloss, als diese gerade eine Nummer probte…

In Dumplings (36 min.) vom Hongkong-Regisseur Fruit Chan besteht das Extreme in der Tatsache, dass eine Frau bestimmte Sachen isst um wieder jung und sexy für ihren Mann zu sein. Der Zuschauer erfährt schon relativ früh, was die Geheimzutat der Teigtaschen ist, was natürlich die Spannung wegnimmt. Doch gerade weil man von Beginn an weiß, was dort gegessen wird, ist man die ganze Zeit nur angeekelt von dem Film. Die Macher haben auf einen Spannungsaufbau verzichtet und konfrontieren den Zuschauer gleich mit der nackten Wahrheit. Dieser gesellschaftskritische Beitrag aus Hongkong zeigt, wie weit der Drang nach Schönheit mancher Frauen geht, nur um ihren Männern zu gefallen. Die Männer sind aber auch nicht viel besser, sondern tragen ihren Teil dazu bei, indem sie sich nach jüngeren Frauen umsehen. Wie es der Mann von Lee Ching tut.

In Cut (43 min.) vom südkoreanischen Meisterregisseur Park Chan-Wook gerät der Hauptdarsteller (gespielt von Lee Byung-Hun, bekannt aus Bittersweet Life) in eine Extremsituation, in der er ein Kind töten muss, um seiner Frau (gespielt von Kang Hye-Jeong, bekannt aus Oldboy) viel Leid zu ersparen. Das Interessanteste an diesem Film ist die These, die aufgestellt wird: „Alle reichen Menschen sind von Grund auf böse“. Wenn jetzt, wie im Fall der Hauptperson, ein reicher Mensch gleichzeitig auch noch nett und freundlich ist, so hat er in den Augen des Entführers alles was man haben kann. Und das sei den armen Menschen gegenüber, wie er einer ist, unfair. Denn dann bleibt den Armen nichts mehr. Also muss der Hauptdarsteller etwas Schlechtes tun, damit die Weltsicht des Entführers wieder im Gleichgewicht ist. Cut überzeugt auch mit seinen Bildern, die zwar teilweise etwas unscharf sind, aber alleine die gefesselte Frau am Klavier und die computerunterstützten Kamerafahrten sind beeindruckend. Das Ende finde ich persönlich etwas zu übertrieben und auch unnötig verwirrend. Es wäre aber scheinbar wohl zu langweilig ein „normales“ Ende mit Happy-End zu machen.

Der Beitrag vom japanischen Kultregisseur Takashi Miike Box (39 min.) gleitet hin wie ein melancholisches Lied. Obwohl Box von den drei Filmen schon am ehesten einem Horrorfilm gleicht. Mit wunderschönen Bildern (teilweise komplett ohne Ton) wird hier das Schicksal zweier Schwestern erzählt. Das Extreme hier ist (neben dem mentalen Zustand Kyokos), dass es für den Zuschauer extrem verwirrend ist. Was ist nun Alptraum und was Wirklichkeit? Der Film baut eine Spannung auf bis zum Wendepunkt, wo man als Zuschauer glaubt alles verstanden zu haben und dann kommt das Ende und man ist wie vor den Kopf gestoßen.

Für mich ist Box knapp vor Cut auf Platz 1 gelandet. Dumplings ist zwar interessant, aber verglichen mit den anderen beiden Filmen klarer dritter. Für Genre-Fans ist diese Doppel-DVD sicherlich den Kauf wert, aber alle anderen sollten es sich lieber zweimal überlegen. Die drei Filme erschließen sich dem Zuschauer evtl. nicht gleich beim ersten Schauen – und dass macht sie so anziehend. Das jeweilige Making of ist sehr interessant, wobei ich zu Box gerne mehr gesehen hätte (Gesamtdauer Making ofs: 53 min.). Wer auf experimentelle Filme steht und gerne etwas Neues ausprobieren möchte ist bei Three … Extremes genau richtig.

23. Februar 2013 | Verfasst von in Asiatische Filmkunst | 0 comments

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