The Good, the Bad, the Weird

The Good, The Bad, The Weird - CoverWestern by Kim Jee-Woon!

Eine (schwarze) Komödie, ein Horrorfilm, ein Revenge-Movie und nun ein Western. Die Genre-Vielfalt des koreanischen Regisseurs und Drehbuchautors Kim Jee-woon scheint grenzenlos. Dennoch verfügen all seine Filme (so unterschiedlich sie zu sein scheinen) über eine unverkennbare Handschrift des Filmemachers aus Südkorea. So wird auch The Good, the Bad, the Weird die Fans nicht enttäuschen – ganz im Gegenteil.

Irgendwo in Nordostchina in den 30er Jahren beginnt eine wilde Jagd nach einer geheimnisvollen Schatzkarte mit dem Überfall auf einen Zug. Yoo Tae-goo, ein listiger Dieb, befindet sich zufällig im selbigen Zug, als Park Chang-yi mit seiner Bande brutaler Ganoven gerade den Zug gewaltsam zum Stehen bringt. Auch der Kopfgeldjäger Park Do-won ist unter ihnen und hat es auf das Kopfgeld der beiden Gesetzeslosen abgesehen und verhilft unfreiwillig Tae-goo zur Flucht samt seiner Beute – der Schatzkarte. Nun wird Tae-goo zur Zielscheibe von skrupellosen Banditen, der japanischen Armee und selbstverständlich erst Recht von Chang-yi sowie Do-won. Eine atemberaubende Jagd beginnt, wo nicht jeder gewinnen kann…

Mit The Good, the Bad, the Weird untermauert Kim Jee-woon einmal mehr seine außergewöhnliche Stellung als Filmschaffender. Dem Zuschauer wird Kino vom Feinsten geboten, wo Action in dynamischen Bildern mit toller Optik und halsbrecherischen Stunts präsentiert wird. Die Kamerafahrten sind ein wahrer Genuss für das Auge. Zusätzlich bietet der Soundtrack das gewisse „Feeling“, was sehr gute Filme von guten Filmen unterscheidet. Eine ganz große Stärke des Films sind zudem die Schauspieler, die hier drei Hauptrollen ausfüllen. Lee Byung-hun als „The Bad“ (bzw. Park Chang-yi) verkörpert seinen sadistischen Charakter wirklich mehr als überzeugend und erleichtert dem Zuschauer so die Sympathieverteilung. Song Kang-ho als „The Weird“ (bzw. Yoo Tae-goo) ist schlichtweg genial und sorgt für den komödiantischen Anteil im Film. Jung Woo-sung als „The Good“ (bzw. Park Do-won) wirkt zugegebenermaßen etwas matt im Vergleich zu den beiden anderen. Hat es aber auch ungleich schwerer, da seine Figur nicht ins Extreme ausschlägt. Auffallend ist zudem die Tatsache, dass hier nahezu keine weibliche Rolle existiert (bis auf die Oma und Kinder). Somit existiert auch kein Raum für eine (unnötige) Liebesgeschichte – danke!

Dennoch verfügt The Good, the Bad, the Weird über gewisse Längen, die das Anschauen erschweren. So erlebt man fast schon einen Action-Overflow und ist beim eigentlichen Höhepunkt des Films, der Endschlacht, von der zuvor gezeigten Action ermüdet. Die Gefahr der Abnutzung des gezeigten Actionspektakels steigt mit der Laufzeit des Films. Doch ist das Jammern auf höchstem Niveau. Denn die Umsetzung des gesamten Films darf als mehr als gelungen bezeichnet werden. Die Hommage an Leones The Good, the Bad and the Ugly (dt. Zwei glorreiche Halunken) ist fabelhaft! Leider wird im Film die Besonderheit des Gebietes der Mandschurei nur schwammig vermittelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es nämlich stark umkämpft und von vielen Parteien besiedelt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass so viele Leute hinter der Karte her sind (Japaner, Koreaner, Chinesen und Russen).

Die Verpackung und das Bonusmaterial werden dem Film vollends gerecht. Das schicke und hochwertige Mediabook inkl. eines Booklets (und ohne FSK-Logo), einer Bonus-DVD sowie der Soundtrack-CD wird jeden Sammler zufrieden stellen. Der Audiokommentar ist lustig wie informativ und auch die lockere Interviewrunde mit dem Regisseur und seinen vier Hauptdarstellern ist hier hervorzuheben.

DVD 1:
– Hauptfilm (ca. 120 ohne Abspann)
– Trailer
– Audiokommentar mit Regisseur und Darstellern

DVD 2:
– Deleted Scenes (ca. 18 min.)
– Alternative Enden (ca. 7 min.)
– Interviews (ca. 19 min.)
– Making of (ca. 14 min.)
– Trailer

CD:
– 40 Tracks (ca. 72 min.)

The Good, the Bad, the Weird ist ein reines Filmvergnügen für jeden Action-Fan. Auch nicht Asia-Fans sollten hier auf jeden Fall ein Auge drauf werfen. Denn dieser Western von Kim Jee-Woon ist eine absolute Kaufempfehlung!

Kurzer Nachtrag zu meiner Kinoerfahrung: Ich fand es schon recht verwunderlich, das ein reiner koreanischer Film im normalen Kinoprogramm lief. Dies freute mich aber umso mehr, weil ich dieses Actionfeuerwerk auf großer Leinwand genießen wollte. Also Karten vorbestellt und zu dritt rein ins Kino. Im Saal saßen dann mit uns insgesamt ganze acht Personen, von denen zwei in der ersten Viertelstunde den Kinosaal verließen und wenig später noch zwei. Der letzte verbliebene Zuschauer war zudem noch ein Asiate und hätte ich meine beiden Cousins nicht überreden können mit mir in den Film zu gehen, hätte sich The Good, the Bad, the Weird an diesem Freitagabend nur ein (asiatischer) Zuschauer angesehen. Wahnsinn!

22. Februar 2013 | Verfasst von in Asiatische Filmkunst | 0 comments

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