Sympathy for Mr. Vengeance

Der erste Teil der Rache-Trilogie von Park Chan-Wook überzeugt durch die Ruhe und die Dramatik der Bilder. Ferner ist der Film konsequent in der Behandlung des Themas der Rache und ist leicht nihilistisch angehaucht – kein Film für einen beschaulichen DVD-Abend also.

Der taubstumme Ryu versucht alles, um seiner schwerkranken Schwester zu helfen. Dazu müsste er ihr allerdings eine Nierentransplantation ermöglichen. Doch seine eigene Niere eignet sich nicht und eine Spenderniere zu bekommen dauert eine lange Zeit. Also versucht Ryu auf anderen Wegen ein Spenderorgan zu bekommen und wendet sich an Organhändler, die ihm eine Niere im Tausch gegen seine eigene und sein Geld versprechen. Als Ryu aufwacht, sind die kriminellen Organhändler samt seiner Niere und seinem ganzen Geld verschwunden ohne ihm die benötigte Niere für seine Schwester beschafft zu haben. In seiner Verzweiflung beschließt er mit seiner Freundin zusammen ein Kind zu entführen, um von dem Lösegeld die Operation für seine Schwester bezahlen zu können. Als sie das Lösegeld bekommen, ertrinkt das entführte Kind, bevor es zurück zum Vater gelangt. Der Vater versucht jetzt alles in seiner Macht stehende zu unternehmen, um die Entführer seiner Tochter zu kriegen. Währenddessen begeht Ryus Schwester Selbstmord, als sie erfährt, was ihr Bruder alles auf sich nahm, um ihr zu helfen. Nun setzt Ryu alles daran, um die Organhändler zu finden und Rache an ihnen zu üben…

DVD1:
– Hauptfilm (ca. 118 min. ohne Abspann)
– Trailer
– Behind the scenes (ca. 30 min.)

DVD2:
– Interviews (ca. 17 min.)
– Über die Musik (ca. 10 min.)
– Making of (ca. 32 min.)
– Featurette (ca. 47 min.)
– Filmografien

In Park Chan-Wooks erstem Teil seiner Rache-Trilogie geht es im Grunde um zwei Personen, denen Schlechtes widerfahren ist und die sich jetzt an den Übeltätern rächen wollen. Da ist zum einen der taubstumme Ryu, der alles Mögliche unternimmt, um seine schwerkranke Schwester zu retten und auch nicht von illegalen Aktionen abschreckt. Als ihn Organhändler hintergehen, entführt er auf Drängen seiner Freundin die kleine Tochter eines wohlhabenden Unternehmers. Hier wird der zweite Aspekt des Films deutlich, nämlich der Klassenkonflikt. Der Arbeiter Ryu entführt die Tochter eines reichen und scheinbar skrupellosen Konzernchefs, um seiner Schwester eine Operation zu ermöglichen. Unterstützt wird er von seiner extrem sozialistischen Freundin, die die Abschaffung der Großkonzerne fordert. Bis hier hin sind die Rollen von „Gut“ und „Böse“ klar verteilt. Doch dann kommt das entführte Mädchen um und Ryus Schwester begeht Selbstmord.

War zu Beginn noch Ryu und seine Geschichte im Mittelpunkt, nimmt sie jetzt mehr eine Nebenrolle ein und die Leidenszeit des Vaters des entführten Mädchens rückt in den Vordergrund. Man erfährt, dass er gar nicht skrupellos ist und dass er sich seinen Wohlstand hart erarbeitet hat. Der Zuschauer ist spätestens jetzt völlig hingerissen zwischen den zwei Hauptcharakteren und weiß nicht so recht zu wem er halten soll. Währenddessen verfolgen jetzt beide ihre Rachegelüste. Ryu sucht die Organhändler auf und der Vater wiederum verfolgt die Entführer seiner Tochter, sprich Ryu und seine Freundin. Es ist nicht zu viel verraten, wenn ich sage, dass man hier kein Happy-End erwarten sollte.

Viele wurden wohl auf Sympathy for Mr. Vengeance aufmerksam, nachdem sie Oldboy gesehen haben. Man darf aber nicht den Fehler machen und mit falschen Erwartungen an den Film herangehen. Denn mit Oldboy ist er sicherlich nicht zu vergleichen (was auch nicht nötig ist). Sympathy for Mr. Vengeance geht eher in Richtung von Kim Ki-Duks Seom-Die Insel mit seinen schlichten Bildern und den teilweise dialogarmen Szenen. Die Schauspieler liefern eine überzeugende Leistung ab. Allen voran die zwei Hauptdarsteller Song Kang-Ho, der den Vater spielt und aus Memories of Murder bekannt sein dürfte und Shin Ha-Kyun als Ryu, der ebenfalls in Save the green Planet zusehen ist. Bei all der Ernsthaftigkeit des Films gibt es auch einige wenige witzige Momente, die evtl. zunächst etwas fremd erscheinen mögen. Das Bonus-Material ist ganz solide, obwohl manches doppelt gezeigt wird.

Abschließend würde ich sagen, dass Sympathy for Mr. Vengeance eher ein „Kritikerfilm“ ist als ein „Zuschauerfilm“. Was auch die Besucherzahlen im Kino verdeutlichen. Denn der Film kam im Kino nicht so gut an wie bei den Kritikern. Dennoch kann man den Film „genießen“, wenn man sich darauf einstellt und keine Oldboy-Kopie erwartet. Sympathy for Mr. Vengeance bietet nämlich eine interessante Story mit tollen Schauspielern von einem Top-Regisseur.

30. Januar 2013 | Verfasst von in Asiatische Filmkunst | 0 comments

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