Sin City

Für mich die beste Comic-Verfilmung und ein Geniestreich von Frank Miller und Robert Rodriguez. Die perfekte Umsetzung der Sin City-Comics gelingt nicht nur durch ein unvergleichliches Staraufgebot, sondern auch aufgrund der Liebe zum Detail und der konsequenten Übertragung der Vorlage auf Film.

Die Nacht ist teuflisch heiß… Marv wacht mit dröhnendem Schädel auf und muss feststellen, dass das Mädchen neben ihm tot ist. Kaum versucht er seine Gedanken zu ordnen als er auch schon Polizeisirenen näher kommen hört. Ihm bleibt nichts anderes als die Flucht. Doch geht ihm das Mädchen nicht aus dem Kopf und so beschließt er alles dafür zu tun, um ihren Mörder aufzuspüren und Vergeltung zu üben… Nur noch eine Stunde…Dann ist Hartigans letzter Arbeitstag als Polizist zu Ende und der vorzeitige Ruhestand ruft. Doch kann er sich nicht darauf freuen, denn es gibt noch einen Fall zu lösen. Ein junges Mädchen ist verschwunden und scheint in die Hände eines Kinderschänders geraten zu sein. Hartigan setzt alles aufs Spiel, um dieses Mädchen von den gierigen Händen des Perverslings zu retten… Dwight hat gerade eine Nacht bei Shellie verbracht, als sie von ihrem Exfreund belästigt wird. Als sie ihn abblitzen lässt, verlässt Jackie-Boy wutentbrannt ihre Wohnung und fährt in die Stadt. Dwight macht sich auf seine Verfolgung und stellt fest, dass Jackie-Boy ins Rotlichtviertel fährt. Mit einer bösen Vorahnung folgt Dwight ihm und muss zusehen wie Jackie-Boy von den professionellen Ladys umgebracht wird, nachdem er eine von ihnen belästigt hat. Doch wussten sie nicht, wen sie gerade getötet haben. Und so muss die Leiche von Jackie-Boy verschwinden…

DVD1:
– Hauptfilm (ca. 113 min. ohne Abspann)
– Audiokommentar (von Robert Rodriguez mit Frank Miller, Quentin Tarantino und Bruce Willis; Publikumsreaktionen in Austin)
– Wie Frank Miller überzeugt wurde seine Comics zu verfilmen (5:30 min.)
– Special Guest Regisseur: Quentin Tarantino (ca. 7 min.)
– Schlitten mit ordentlich PS unter der Haube: Die Autos in Sin City (ca. 7 min.)
– Knarren, Alk und heiße Schlampen: Die Ausstattung von Sin City (10:30 min.)
– Fiese Visagen: Special Effects & Make up (ca. 9 min.)
– Trenchcoats und Strapse: Die Kostüme in Sin City (ca. 7 min.)
– Sin City: Live in Concert (ca. 9 min.)
– Sin City Trailer & Teaser (ca. 4 min.)

DVD2:
– Einleitung von Robert Rodriguez (ca. 1 min.)
– 15 Minuten „Film School“ (ca. 12 min.)
– Die „Green Screen“ Version (des gesamten Films im Zeitraffer) (ca. 12 min.)
– Die ungekürzte Version von der Quentin Tarantino-Szene bei den Dreharbeiten (ca. 17 min.)
– 10 Minuten „Kochschule“ (ca. 6 min.)
– Sin City ungekürzt: Die einzelnen Episoden in voller Länge und einzeln anwählbar:
-> „Der Kunde hat immer Recht“ (ca. 4 min. ohne Abspann)
-> „Stadt ohne Gnade“ (ca. 35 min. ohne Abspann)
-> „Dieser feige Bastard“ (ca. 41 min. ohne Abspann)
-> „Das große Sterben“ (ca. 39 min. ohne Abspann)

Nachdem uns in den letzten Jahren viele Comic-Verfilmungen präsentiert wurden, kommt mit Sin City eine Comic-Verfilmungen, die es in sich hat. Basierend auf den drei von insgesamt sieben Sin City-Bänden werden drei Geschichten von drei harten Typen erzählt, die gegen sich und die Welt kämpfen. Da ist zum einen Marv, der in „Stadt ohne Gnade“ die Hauptrolle spielt. Ein extrem gewalttätiger Bursche, der mehr seine Fäuste als sein Hirn gebraucht. Als er eines Abends von einer schönen Frau angesprochen wird und sie dann gemeinsam im Bett landen, ist Marv etwas verwirrt und fragt sich, warum sie ausgerechnet ihn wollte. Doch schon am nächsten Morgen muss er feststellen, dass da was faul ist. Denn seine Geliebte ist tot und die Polizei schon unterwegs. Von Rachegelüsten getrieben tötet sich Marv von Person zu Person bis er endlich ihren Mörder gefunden hat. Mit der Zeit erfährt er, dass da mehr dahinter steckt als er zunächst erwartet hatte…

In „Dieser feige Bastard“ muss sich der Polizist John Hartigan gegen übermächtige Gegner auflehnen, um ein kleines Mädchen vor einem perversen Kinderschänder zu schützen. Als es ihm gelingt, muss er einsehen, dass sein vermeintlicher Sieg nichts wert ist. Denn nach acht Jahren befindet sich die mittlerweile 19-jährige Nancy wieder in den Klauen des Widerlings und für Hartigan gibt es diesmal nur einen Weg, um Nancy zu retten…

In „Das große Sterben“ gerät Dwight in einen großen Schlamassel, nachdem er einen außer Kontrolle geratenen Kerl bis ins Rotlichtviertel verfolgt und mit ansehen muss, wie die dort arbeitenden Ladys kurzen Prozess mit Jackie-Boy machen. Als sie erfahren, wen sie gerade umgebracht haben, droht das Gleichgewicht zwischen ihnen, der Polizei und der Mafia zu kippen. Die Leiche von Jackie-Boy muss schnellstens verschwinden und Dwight hat auch schon eine Idee wie… Zudem wurde aus dem Band „Der Kunde hat immer Recht“ Material für die Eröffnungs- und die Endsequenz entnommen.

Die Besetzung von Sin City, man kann es nicht anders sagen, ist einfach perfekt. Mit Mickey Rourke als Marv hat man einen Volltreffer gelandet. Seine Darbietung ist schon fast beängstigend gut. Natürlich auch Bruce Willis, der schon immer in einem Film-Noir mitwirken wollte, ist als Cop in seinem Element und einfach genial. Eine Jessica Alba als Nancy hat sicher einige Männerherzen schneller schlagen lassen. Clive Owen liefert hier eine extrem coole Darbietung ab. Aber auch Michael Madsen als der hinterhältige Partner Bob von Bruce Willis oder Frank Miller höchstpersönlich als der bösartige Pfarrer oder die sexy Brittany Murphy als Shellie und der schlechtgelaunte Benicio Del Toro als Jackie-Boy und natürlich Elijah Wood als der Menschenfresser Kevin und und und… Sie alle sind nicht nur extrem ihren Comic-Vorlagen ähnlich, sondern auch eine Bereicherung für den Film.

Die Optik von Sin City wird sicherlich jeden Zuschauer umhauen. Obwohl der französische animierte Film Renaissance optisch mehr den Sin City-Comics ähnelt, bin ich doch froh, dass man sich hier für einen Kompromiss entschieden hat. Da vor Green-screens gedreht wurde, konnte man die Umgebung in der Nachproduktion so einfügen, dass es dem Comic entsprach, wobei man aber die Figuren trotzdem deutlicher erkennt als in den Comics. Außerdem wurde an wenigen Stellen auch Farbe eingesetzt, um etwas zu betonen, dramatischer wirken zu lassen oder auch um Bilder zu „retten“. Etwa wie bei der Farbe Rot, die in schwarz/ weiß eher grau wirkt und so im Gesicht wie Schmutz aussehen würde (und nicht wie Blut).

Sin City ist so was wie ein moderner Film-Noir. Die typischen schwarz/weiß Bilder mit den hoffnungslosen Figuren umgesetzt mit modernster Technik schuf diesen umwerfenden Film. Die „Voice-over“ erzeugen zudem noch Gänsehaut pur. Gewalt spielt in Sin City auch eine Rolle, denn sonst wäre der Film nicht „Ab 18“. Doch die schwarz/weiß Optik und das größtenteils in weiß dargestellte Blut mildern es doch ein wenig ab. Zudem  tut der vorhandene Surrealismus sein Übriges, so dass man Sin City nicht so ernst nehmen kann. Dennoch ist Gewalt (wie auch leicht bekleidete Damen) ein Hauptbestandteil des Films. Aber man beschwert sich ja auch nicht, wenn man in eine Bibliothek geht, dass es da zu viele Bücher gebe… Was noch zu erwähnen wäre ist die tolle, düstere Musik und die Soundeffekte.

Kommen wir jetzt zu dieser „Recut XXL-Edition“: Das Menü ist im animierten Comic-Look mit Hintergrundmusik aufgebaut. Es befindet sich reichlich Bonus-Material auf den beiden DVDs, wie z.B. zur Ausstattung, Kostüme etc. Wie man von Robert Rodriguez gewohnt ist, packt er noch seine „15 Minuten Filmschule“ und die „10 Minuten Kochschule“ auf die DVD, die man auch auf seiner MexiCollection findet. Am interessantesten sind aber die Audiokommentare mit Robert Rodriguez, Frank Miller, Quentin Tarantino und Bruce Willis, sowie die Publikumsreaktionen bei der Premiere in Austin (Texas). [Anmerkung: Ich musste auf „AUS“ klicken, um die Kommentare anhören zu können]

Auf der zweiten DVD findet man auch die 2. Version des Films. Die vier Episoden sind jetzt einzeln auswählbar und nicht gekürzt. Man darf sich hier aber nicht in die Irre führen lassen. Denn von der 15 min. längeren Version kann hier nicht die Rede sein. Zieht man den Abspann ab, der nach jeder Episode erscheint, bleiben einem immerhin noch 6 min. zusätzliches Material, was nicht in der Kinofassung zu sehen war.

Ich hoffe, ich konnte ein bisschen deutlich machen, dass es sich hier um eine Comic-Verfilmung handelt, die sich eins zu eins an Frank Millers Sin City-Comics orientiert. Drei Sachen sind in diesen Comics wichtig: Autos, Männer in Trenchcoats und leicht bekleidete Frauen. Die Comics sind im Stile eines Film-Noir gehalten und zeigen eine ziemlich düstere Welt ohne viel Hoffnung und Happy End. Darin spielen auch die Geschichten und daher sollte man nicht zu erbost sein, wenn im Film Gewalt vorkommt. Ich beneide nur all die Leute, die Sin City noch nicht gesehen haben. Denn ihnen steht noch ein Filmvergnügen erster Klasse bevor! Ich kann zudem diese Special Edition nur empfehlen!

23. Januar 2013 | Verfasst von in Hollywood, Independent & Co | 0 comments

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