Re-Cycle

Die Pang-Brüder präsentieren sowas wie ein modernes Alice im Wunderland und können visuell inhaltliche Lücken füllen. 

Die junge Autorin Tsui ist sehr erfolgreich in ihrem Beruf. Aktuell wurde sogar eins ihrer Bücher verfilmt. In ihren letzten Erzählungen ging es meist über Liebe, doch jetzt beschließt Tsui in ihrem neuen Buch über übersinnliche Kräfte und Geister zu schreiben. Zu Hause vor ihrem Computer will ihr aber einfach nichts konkretes einfallen, so dass sie ihr bisher Geschriebenes verwirft. Ab da an passieren aber seltsame Sachen, die Tsui in Unruhe bringen. Sie hat das Gefühl nicht alleine in ihrer Wohnung zu sein und ihre Fantasien scheinen Wirklichkeit zu werden bis sie sich dann urplötzlich in einer völlig fremden Welt wiederfindet, in der unnatürliche Dinge geschehen. Zum Glück findet sie bald ein kleines Mädchen, das ihr zur Seite steht und helfen will, diese Welt mit seinen Bewohnern so schnell wie möglich zu verlassen. Dabei gelangen sie an die verschiedensten Orte, die alle das gleiche Schicksal tragen….

DVD1:
– Hauptfilm (ca. 100 min. [ohne Abspann])
– Trailer

DVD2:
– Making of (ca. 15 min.)
– Alternative Szenen (ca. 7 min.)
– Behind the Scenes (ca. 3:30 min.)
– Interview mit den Pang-Brüdern (ca. 13 min.)
– Präsentation: Bei der Premiere (ca. 8:30 min.)
– Red Carpet-Reel: Auf dem roten Teppich (ca. 16 min.)

Die Pang-Brüder (Oxide und Danny), bekannt u.a. durch The Eye, haben mit Re-Cycle sicherlich keinen Film mit überwältigender Handlung geschaffen, aber einen mit einer sehr interessanten Idee und atemberaubenden Bildern, die am Computer generiert wurden. So entstand eine ziemlich skurrile Welt, die dem Zuschauer mit jeder weiteren Szene ihr Facettenreichtum offenbart. Insgesamt besteht diese „Welt“, in die die Autorin Tsui gerät aus 11 Bereichen. Jeder Abschnitt ist so anders als der vorherige, dass einem förmlich der Mund offen bleibt. Kein Wunder, entstanden doch nahezu 70% des gesamten Films am Computer, so dass die Verantwortlichen mehr Handlungsspielraum bei der Gestaltung der Schauplätze hatten. Der Titel Re-Cycle mag zwar etwas verwirrend sein, damit ist aber wirklich „Recycling“ (Wiederverwertung) gemeint. Denn diese Welt, in der sich Tsui befindet, besteht aus alten Sachen, die die Menschen „weggeworfen“ haben. Sei es altes Spielzeug, Erinnerungen oder auch abgetriebene Babys. Auch tote Menschen „leben“ dort, weil niemand sich mehr an sie erinnert. Wie gesagt, ist die Idee mit einer Parallelwelt, wo alles landet, was man nicht mehr braucht oder brauchen will ziemlich interessant.

Auf der Horror-Ebene ist Re-Cycle ziemlich solide, erfindet das Rad aber nicht neu (ich sage nur: Weibliches Geschöpf mit verborgenem Gesicht und langen schwarzen Haaren). Das soll nicht als Kritik aufgefasst werden. Denn wer asiatische Horrorstreifen kennt, weiß, dass die Leute ihr Handwerk verstehen.

Es sei hier aber erwähnt, dass Re-Cycle nur im ersten Drittel des Films als Horrorfilm bezeichnet werden kann. Im Verlauf des Films, wenn die computergenerierte Welt Hochleistungen zeigt, nimmt der Gruselfaktor ab. Man ist als Zuschauer zwar gespannt, was als nächstes passiert, aber leider fällt die Spannungskurve des Films ab und erholt sich bis zum Ende nur sehr schwer. Erstens, weil man von den Bildern betäubt ist und zweitens, weil grau angemalte Menschen nicht unbedingt Angst einflößend sind. Re-Cycle als „Fantasy-Märchen-Abenteuer“ zu bezeichnen, wäre sicherlich treffender. Schade ist, dass es keinen Audiokommentar von den Regisseuren gibt. Das hätte sicher Sinn gemacht. Zumal ich das Ende irgendwie nicht richtig verstanden habe. Das Bonus-Material finde ich nicht so gut gelungen. Es ist zu knapp vorhanden (ca. 60 min.) und das meiste ist wirklich uninteressant, wie z.B. das Rumalbern bei der Premiere. Zu den zwei DVDs gibt es noch zwei Booklets mit Zeichnungen der einzelnen Abschnitte der Parallelwelt. Alles befindet sich in einer sehr gut gelungenen aufklappbaren Box mit einem Magnetverschluss.

Wer einen reinen Horrorstreifen erwartet wird mit Re-Cycle sicherlich enttäuscht werden. Auch Freunde des innovativen Films und dichter Handlung sollten sich lieber was anderes suchen. Wer sich den Film aber unvoreingenommen anguckt, kann sich von der attraktiven und überzeugenden Hauptdarstellerin Angelica Lee und den Bildern bezaubern lassen.

20. Januar 2013 | Verfasst von in Asiatische Filmkunst | 0 comments

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