Lady Vengeance

Lady Vengeance - Cover 1Park Chan-Wooks Abschluss seiner Rachetrilogie bietet in künstlerischer und ästhetischer Sicht eine weitere Meisterleistung des Regisseurs, besitzt aber den Hang und die Gefahr zu überheblich zu sein, wie seine späteren Filme.

Lee Geum-ja ist 19 Jahre alt als sie wegen Entführung und Mord an einem kleinen Jungen ins Gefängnis kommt. 13 Jahre vergehen, in denen sich Lee Geum-ja im Gefängnis aufopfert und sich bei ihren Gefängnisinsassen beliebt macht. Sie übernimmt jede noch so schwere Aufgabe und beschützt die Unterdrückten. Deshalb wird sie von ihren Mitgefangenen auch die „herzensgute Lee Geum-ja“ genannt. Doch wegen ihrem skrupellosen Vorgehen gegen ihre Feinde bekommt sie auch die Bezeichnung „Hexe“. Als sie ihre Strafe absitzt und freikommt, ist von der Herzensgüte nichts mehr zu sehen und Geum-ja verwandelt sich in eine gefühlskalte Person, die nur noch ein Ziel vor Augen hat, nämlich ihren früheren Lehrer Mr. Baek zu finden, wegen dem sie ins Gefängnis musste und an ihm Vergeltung zu üben…

Lady Vengeance bildet den Abschluss von Park Chan-wooks Rachetrilogie, die mit Sympathy for Mr. Vengeance begann und mit Oldboy erfolgreich fortgesetzt wurde. Der Film beginnt mit der Freilassung von Geum-ja. Dem Zuschauer begegnet eine eiskalte und entschlossene Frau, die nach ihrer Entlassung scheinbar ein wichtiges Ziel verfolgt. Im Laufe des Films erfährt man, dass Geum-ja nach Rache an ihrem ehemaligen Lehrer Mr. Baek sinnt, der sie durch Erpressung dazu gebracht hat den Mord an einem kleinen Jungen zu gestehen. Als sie dann ihren früheren Lehrer ausfindig macht und ihn in ihre Gewalt bringen kann, bringt sie es nicht über sich ihn zu töten. Um sich aus ihrer Lage zu befreien, versammelt sie all die Eltern der getöteten Kinder, deren Mörder Mr. Baek ist und lässt sie entscheiden, ob sie ihn dem Gericht überlassen oder Selbstjustiz üben sollen.

Die Erzählweise des Films ist so aufgebaut, dass die Ereignisse aus der „Gegenwart“, sprich nach Geum-jas Entlassung aus dem Gefängnis, parallel mit den Ereignissen vor und während des Gefängnisaufenthaltes laufen. So entstehen zwei Bilder der Lee Geum-ja. Das eine zeigt sie als eine Heilige, die sich im Gefängnis für andere aufopfert und dann das andere Bild, außerhalb des Gefängnisses, zeigt eine eiskalte Geum-ja, die nie lächelt und nur nach Rache strebt. Zusätzlich wird eine Erzählerstimme eingesetzt, die dem Film eine besondere Atmosphäre verleiht.

Lady Vengeance wirkt auf den ersten Blick abstrakter, aber auch poetischer als die anderen beiden Rachefilme. Sicherlich hat die Poesie des Films damit etwas zu tun, dass der Hauptcharakter eine Frau ist und die Geschehnisse aus ihrer Sicht geschildert werden. Nichtsdestotrotz bleibt das Hauptthema des Films Rache und erreicht gegen Ende des Films seinen Höhepunkt, als die Eltern darüber diskutieren, was man mit Mr. Baek, dem Mörder ihrer Kinder, tun soll. Überließ man in den beiden anderen Filmen (Sympathy for Mr. Vengeance und Oldboy) dem Zuschauer die Frage, ob die jeweilige Rache gerechtfertigt war oder nicht, so diskutieren hier die Protagonisten selbst darüber. Die ganze Szene wirkt ziemlich befremdlich und kam auch relativ unerwartet.

Die schauspielerische Leistung von Lee Yeong-ae, die die entschlossene, aber auch gleichzeitig verzweifelte und nach Erlösung suchende Geum-ja verkörpert, ist wirklich hervorragend. Choi Min-sik, der in Oldboy noch selbst das Opfer war, darf sich in Lady Vengeance als psychopatischer Kindermörder versuchen. Durch seine eher passive Rolle in dem Film mit relativ wenig Text kann er nicht so zur Geltung kommen, wie gewohnt. Dennoch verleiht Choi Min-siks Gegenwart dem Film noch mehr Qualität. Ferner tauchen noch viele bekannte Gesichter aus Sympathy for Mr. Vengeance und vor allem Oldboy in Nebenrollen auf.

Durch die Handlung und Erzählstruktur kommt einem sicherlich der Vergleich mit Lady Snowblood in den Sinn, der ebenfalls die Rache einer Frau darstellt. Die Verpackung und die Ausstattung dieser „Limited Deluxe Edition“ sind wirklich sehr gelungen. Neben dem Hauptfilm, der sich auf der ersten DVD befindet, gibt es noch eine Director´s Version (keinen Directors Cut) auf der zweiten DVD und Bonus-Material auf der dritten DVD. Die Director´s Version, die sonst identisch mit der Kinofassung ist, zeichnet sich dadurch aus, dass das Bild gegen Ende des Films immer mehr Farbe verliert und so zum Schluss ganz schwarz/ weiß wird. Das solide Bonus-Material (ca. 96 min.) bietet einige Hintergrundinformationen zum Film, ist aber weiterhin nicht so überzeugend. Da ist das Booklet mit einer Filmkritik und einem Statement des Regisseurs schon weitaus interessanter.

Park Chan-wook ist sicherlich mit Lady Vengeance eine Meisterleistung gelungen. Doch was zeichnet eine Meisterleistung aus?! Ist es die Anzahl der Kinobesucher? Oder die Tatsache, dass irgendein Kritiker es als Meisterleistung/-werk bezeichnet? Ein Film wird dann zum Meisterwerk, wenn der Regisseur ein Thema mit seinem eigenen Stil und der ihm zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten so umsetzt, dass am Ende etwas entsteht, was den Zuschauer fesselt und auch zum Denken anregt und dessen Bilder nicht nach Ende des Films aus den Köpfen der Zuschauer verschwinden. Ich denke, dass das Park Chan-wook gelungen ist. Lady Vengeance ist zwar nicht so hoffnungslos wie Sympathy for Mr. Vengeance und auch nicht so explosiv wie Oldboy, bietet aber eine neue Facette der Rache und bildet einen wunderbaren Abschluss einer insgesamt sehr sehenswerten Trilogie zum Thema Rache.Lady Vengeance - Cover 2

15. Februar 2013 | Verfasst von in Asiatische Filmkunst | 0 comments

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