Izo

Izo - Cover 1Miike führt uns die Sinnhaftigkeit bzw. die Sinnlosigkeit des menschlichen Daseins vor Augen und stellt den Menschen als Menschenfeind dar. Ein philosophischer Splatter im Stile des japanischen Kultregisseurs. Unterhaltung garantiert.

Mitte des 19. Jahrhunderts wird Izo am Kreuz hängend brutal hingerichtet. Sein Geist, nicht fähig zu ruhen, beginnt durch Raum und Zeit zu irren, um sich an allen zu rächen, die er für seinen Tod verantwortlich macht. Und das sind so ziemlich alle möglichen Leute. Ob nun seine Mutter, seine Geliebte oder auch komplett fremde Menschen, seien es Frauen, Männer, Greise oder Kinder – sie alle bekommen Izos Zorn zu spüren, der sich, kurz gesagt, gegen die gesamte Menschheit richtet. Auf seiner Reise durch die verschiedensten Orte trifft Izo auf unterschiedliche Gestalten, die ihn in philosophischen Dialogen bzw. Monologen aufhalten versuchen, doch letztendlich alle abgeschlachtet werden. Izo wird kaum eine Pause gegönnt und so wird er von einem Ort zum nächsten befördert und eine unsichtbare Kraft scheint ihn voranzutreiben, so dass ihm selbst Kugeln nichts anhaben können.

Anfangs scheint Izo noch so etwas wie einen eigenen Willen zu besitzen, doch im Laufe des Films, je mehr Personen er tötet, desto mehr und mehr verwandelt er sich in ein unkontrollierbares Monster. Währenddessen versuchen die Machthaber der Welt, nämlich die Wirtschaftsleute, die Juristen, die Wissenschaftler, die Politiker (hier dargestellt von Takeshi Kitano (Dolls, Zatoichi) als Kanzler), das Militär (in Form des Generals) und die Geistlichen (in Form des Priesters) Izo mit ihren zur Verfügung stehenden Mitteln zu stoppen. Doch auch sie müssen letztendlich sterben, nachdem Izo sich durch eine Schar von Soldaten durchgesetzt hat, die in ihrem Verhalten mehr hirnlosen Zombies ähneln als Menschen mit freiem Willen. So findet zum Ende des Films der letzte Kampf statt am Ort der Hinrichtung Izos, nämlich zwischen Izo und seinem früheren Auftraggeber, dem Rebellen Takechi, wegen dem er schließlich hingerichtet wurde. Das eigentliche Ende des Films ist so abgehoben, dass ich erst gar nicht versuchen werde es hier wiederzugeben. Es surreal zu bezeichnen, wäre sicherlich mehr als untertrieben.

Was bleibt also nach ca. zwei Stunden Spieldauer dieses Films, der, wenn man es vorsichtig ausdrücken will, recht „anders“ ist. Vom Inhalt her wird hier Kritik an der Menschheit geübt und Izo stellt sozusagen das gesamte „Böse“ der Menschen (und auch die Sinnlosigkeit des Krieges?) dar, welches gegen die Menschen selbst gerichtet wird. Izo beginnt auch mit Szenen einer Geburt als Beginn des menschlichen Lebens. Vieles geht auch aus den Ansichten der zahlreichen Figuren des Films hervor, die in philosophischen Phrasen den Zuschauer u.a. über Demokratie, Glauben oder Liebe „aufklären“. Meist wird nach dem philosophischen Teil viel Blut vergossen und dann wechseln wieder die Schauplätze, so dass etwas wie ein Zyklus zwischen Weltanschauung und Abschlachten entsteht.

Optisch wirkt der Film schon fast überladen mit den Wechseln von düsteren und farblich trüben Bildern zu grellen und kräftigen Farben. Zudem wird auch mal eine Szene in schwarz/weiß gezeigt oder ein Abschnitt einfach mal kopfüber. Dazu werden historische Bilder von hauptsächlich Kriegsaufzeichnungen eingeblendet und ein fester Bestandteil des Films ist auch ein Mann mit Gitarre, der scheinbar als unbeteiligter Betrachter seine Lieder zum Besten gibt. So entsteht eine gewisse Hektik, die die ca. 120 min. schnell vergehen lässt. Der Auftritt des Kickboxers und „Mixed Martial Arts“-Kämpfers Bob „The Beast“ Sapp (bekannt aus „K1“ auf „eurosport“), der sich Izo als Wärter in den Weg stellt ist absolut genial und kommt irgendwie völlig unerwartet (was aber bei diesem Film nichts bedeuten muss). Das zu kurz geratene, aber sonst sehr gelungene Bonus-Material in Form eines Making ofs (ca. 19 min.) zeigt einen kleinen Einblick hinter die Kulissen und ist sehr unterhaltsam.

Izo kann ich absolut empfehlen. Miike-Fans werden sowieso wissen warum und alle anderen sollten sich diesen Film nicht entgehen lassen. Ich weiß, dass so eine Beschreibung dem Film nicht gerecht werden kann, hoffe aber, dass sie einen kleinen Einblick in diesen scheinbar alle Regeln des „normalen“ Films brechenden Streifens geben konnte.Izo - Cover 2

14. Februar 2013 | Verfasst von in Asiatische Filmkunst | 0 comments

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