I Saw the Devil

I Saw The Devil - CoverKim Jee-woon lässt hier die beiden Schauspielgrößen Choi Min-sik und Lee Byung-hun einander jagen und kreiert so einen sehr konsequent durchgeführten Rachefilm, der den Zuschauer ob seiner Gewaltdarstellung schocken wird und deshalb mittlerweile auch indiziert worden ist…

Wir sitzen in einem fahrenden Auto. Es schneit an einem späten Abend während wir uns langsam durch die Straßen bewegen. Ein weiterer Wagen, welcher anscheinend eine Panne hat, kommt in unser Blickfeld. Wir halten an. Die Person, die nun aussteigt und die wir als Beifahrer begleiten durften, wirkt nicht besonders vertrauenerweckend. In dem anderen Wagen sitzt eine junge Frau. Sie hat eine Reifenpanne und wartet auf den Abschleppdienst, wie sie dem Mann mitteilt. Einige Momente später ist sie bewusstlos. Zugerichtet auf eine bestialische Weise mit einem Hammer. Als die Frau dann schließlich wieder zu sich kommt, beginnt für sie erst das Grauen…

So beginnt der neueste Streich des koreanischen Regisseurs Kim Jee-woon, der bereits mit Bittersweet Life einen Rache-Film schuf. Doch der Zuschauer wird schnell merken, dass I Saw the Devil bei weitem düsterer und brutaler ist als sein Genre-Bruder. Dieses Rache-Drama führt die Abgründe menschlicher Psyche bei Tätern wie auch bei den Opfern vor. Die Verlobte des Geheimagenten Soo-hyun wird auf unmenschliche Art von dem gesuchten Serientriebtäter Kyung-chul ermordet. Daraufhin schwört er Rache und beginnt mit der Jagd nach ihrem Mörder. Was der Zuschauer bis hierhin nicht ahnt, ist die Tatsache, dass Soo-hyun seine Worte in die Tat umsetzt und den Serienkiller leiden lässt nach dem er ihn schnappt. Doch immer wieder lässt er ihn laufen, um ihn dann wieder zu fassen und weiter zu verstümmeln. Dabei entstehen Gewaltszenen, die vor roher Wildheit und Brutalität nur so triefen. Die Frage, ob die hier gezeigte explizite Gewaltdarstellung nur zum reinen Selbstzweck dient, stellt sich unweigerlich. Nach dem ersten Anschauen des Films hätte ich diese Frage vielleicht noch mit einem Ja beantwortet. Doch ein zweites Anschauen dieses Katz-und-Maus-Spiels lässt mich zu einem Nein tendieren.

Kim Jee-woon setzt die Gewalt vielmehr als ein weiteres stilistisches Mittel ein, um zum einen die psychische Erkrankung des Serienkillers zu verdeutlichen und zum anderen die pure Verzweiflung und Hilflosigkeit von Soo-hyun. Es entsteht ein mitreißendes Rache-Drama, dass die Frage offen lässt, wer nun das größere Monster der beiden ist. Die schauspielerische Leistung der beiden Hauptprotagonisten, Choi Min-sik (Oldboy) und Lee Byung-hun (Bittersweet Life), ist dabei exzellent und beängstigend zugleich. Ob nun die Rache erfolgreich war oder gar zufriedenstellend, muss jeder Zuschauer für sich selbst herausfinden.

Die DVD-Ausgabe in dieser „Black Edition“ mit der ungeschnittenen Fassung des Films ist im Vergleich zur „Ab 18“-Ausgabe zu empfehlen, da hier über zehn Minuten mehr Material gezeigt wird. Zusätzlich enthält die DVD Trailer, ein Making of (ca. 18 min.), Interviews (ca. 19 min.) sowie TV Spots. Die DVD-Veröffentlichung kommt diesmal etwas schlicht daher. Vor allem, wenn man andere Filme von Kim Jee-woon betrachtet. I Saw the Devil ist sicherlich der kontroverseste (und vielleicht nicht der beste) Film von Kim Jee-woon. Dennoch sollte man ihn nicht nur auf die Gewalt reduzieren, sondern als einen künstlerischen Beitrag zum Thema Rache sehen. Prädikat: Empfehlenswert mit Einschränkung.

12. Februar 2013 | Verfasst von in Asiatische Filmkunst | 0 comments

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