Gozu

Gozu - CoverMiikes Gozu ist der Irrsinn in Perfektion. Doch ein genaueres Hinsehen erklärt so manche absurde Szene. Dennoch scheint dieses Werk die Bedeutung der Bedeutungslosigkeit in den Mittelpunkt stellen zu wollen.

Ozaki und Minami sind beide Yakuza. Einer von ihnen, Ozaki, scheint aber mittlerweile den Verstand zu verlieren, da er z.B. einen kleinen Hund für einen „Yakuza-Hund“ hält oder auch stinknormale Autos als gefährliche „Yakuza-Autos“ bezeichnet. So wird er immer unkontrollierbarer für seinen Clan und ihr Boss gibt Minami den Auftrag seinen langjährigen Partner umzubringen und die Leiche auf einer Müllhalde zu entsorgen. Auf dem Weg dorthin stirbt Ozaki durch unglückliche Umstände und kurz darauf verschwindet seine Leiche. Ab dieser Stelle im Film ist der „normale“ (wenn auch schon recht komische) Part eines herkömmlichen Yakuza-Streifens vorbei und es beginnt ein wahrer „Trip in den Wahnsinn“. Denn nun versucht Minami die Leiche Ozakis zu finden und trifft dabei auf die seltsamsten Leute und Absurditäten. Ohne zu viel zu verraten, sei erwähnt, dass Minami zwar seinen Freund Ozaki am Ende wieder findet, doch was da am Schluss in Gozu abläuft, dürfte einfach den normalen, geistig stabilen Menschenverstand übersteigen. An dieser Stelle sei der Drehbuchautor Sakichi Sato erwähnt, der sich diese Geschichte ausgedacht hat.

Gozu dürfte auch die eingefleischten Miike-Fans noch überraschen. Dem (hilflosen) Zuschauer wird über eine Laufzeit von über zwei Stunden eine Aneinanderreihung von skurrilen und scheinbar sinnfreien Bildern geboten. Und genau das macht den Film so spannend und interessant. Gozu ist zu keiner Minute langweilig oder öde, sondern erzeugt ganz im Gegenteil eine bedrückende Stimmung, die den Zuschauer fesselt. Dabei spielen nicht einmal Horror- oder Gewaltelemente eine große Rolle und auch die ekelhaften Szenen halten sich in Grenzen. Es ist vielmehr die verwirrende Umwelt, in der die Hautperson Minami steckt und mit ihm zwangläufig auch der Zuschauer. Genauso wie Minami versucht man als Zuschauer die Situation zu durchschauen um zu verstehen, was da eigentlich abläuft. Letztendlich wird man aber zusammen mit Minami scheitern und feststellen müssen, dass man manche Sachen nicht erklären bzw. begreifen kann.

Bei Gozu werden sich sicherlich alle Zuschauer einig sein. Die, die den Film nicht mögen, werden behaupten, dass er gar keinen Sinn macht. Diejenigen Zuschauer, die ihn mögen, werden sagen, dass er so herrlich sinnlos ist und die neutralen Zuschauer werden sagen, dass sie sich keine nähere Meinung bilden können, weil sie den Sinn des Films nicht verstanden haben…

Meiner Meinung nach ist Gozu eine Art Rebellion gegen den Mainstream und gegen die Art von Filmemachern, die bei ihren Filmen sorgfältig auf die Einhaltung der „Normen“ der Filmgestaltung achten. Dieses entnehme ich zumindest dem Interview von Takashi Miike (ca. 63 min. mit deutscher Übersetzung), das sich zusammen mit einem Making of (ca. 19 min. nur auf Japanisch), Trailern und einem Musikvideo als Bonus-Material auf der DVD befindet. Gozu ist einfach ein Schlag in die Fresse, um es mal derbe auszudrücken und sollte nicht nur von Miike-Fans angeschaut werden!

19. Januar 2013 | Verfasst von in Asiatische Filmkunst | 0 comments

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