Dolls

Dolls - Cover 1Kitano bietet überzeugende Bilder zum Thema Liebe und der Rest ist Interpretation. In seinem Film erzählen sich altertümliche japanische Schauspielpuppen nach einer Theatervorstellung drei Geschichten von Menschen, die sich mit der Liebe auseinandersetzen. 

Ein junger Mann muss seine Freundin auf Drängen der eigenen Eltern verlassen, um die Tochter seines Chefs zu heiraten. Am Tage der Hochzeit erfährt der Mann, dass seine Freundin einen Selbstmordversuch begann und so lässt er die Hochzeit platzen und fährt ins Krankenhaus. Dort angekommen muss er feststellen, dass sie ihn nicht mehr erkennt und so nimmt er sich ihrer an. 

Ein alter Yakuza Boss fährt nach 30 Jahren wieder in den Park, wo er seine Freundin verlassen hatte, um für ihr gemeinsames Glück das nötige Geld zu verdienen. Jeden Samstag kam die Frau in den Park und wartete auf ihren Freund. Doch als dieser nun endlich erscheint, erkennt sie ihn nicht mehr. 

Eine junge Popsängerin verschließt sich von der Außenwelt, nachdem sie seit einem Autounfall entstellt ist. Ein Fan nimmt sich daraufhin das Augenlicht, damit sie sich bei ihrem Treffen nicht schämen muss. 

DVD1:
– Hauptfilm (ca. 106 min. ohne Abspann)
– Trailer

DVD2:
– Biografien und Filmografien
– Making of (ca. 18 min.)
– Interviews (ca. 47 min.)
– Venedig Film Festival 2002 (ca. 8 min.)

Dolls war mein erster Kitano-Film und ich konnte damit zunächst nichts anfangen. Man kann es vielleicht mit einem Comic-Leser vergleichen, der eine Kunstgalerie besucht. Deshalb sollte man sich bewusst sein auf was man sich einlässt. In Dolls werden drei Geschichten erzählt, in denen es um die Liebe geht. Da ist zum einen ein junger Mann, der sich von seiner großen Liebe trennt, um eine reichere Frau zu heiraten und der dann zu seiner Freundin zurückkehrt, als er von ihrem Selbstmordversuch erfährt. Fortan ziehen die beiden als Bettler durchs Land. Sie durchlaufen in imposanten Kostümen und Farben die vier Jahreszeiten in Japan. Es finden kaum Dialoge statt. Vielmehr sprechen die Umgebung und Gesten. In der zweiten Geschichte geht es um einen alten Mafia-Boss, der an den Ort zurückkehrt, wo er seine damalige Partnerin verlassen hat. Sie versprach jeden Samstag auf ihn zu warten und er trifft sie auch wirklich nach über 30 Jahren dort an. Doch erkennt sie ihn nicht mehr. Er erwähnt auch nicht, dass er ihr ehemaliger Freund ist und so treffen sie sich aber trotzdem wie früher. In der dritten Geschichte geht es um einen Fan, der so in eine Popsängerin vernarrt ist, dass er sich selbst verstümmelt, nur um seine angebetete besuchen zu können. Die Geschichten sind geschickt miteinander verknüpft und überschneiden sich.

Wenn ich gemein sein wollte, würde ich schreiben, dass Dolls nur eine Modenschau von Designer Yohji Yamamoto ist, der alle Kostüme des Films entwarf. Es steckt aber viel mehr dahinter als nur Kostüme in farbenprächtigen Bildern. Diese Melancholie, die sich durch den ganzen Film zieht ist fasst schon angenehm beruhigend, obwohl es sich hier um traurige Ereignisse handelt.

Die DVD-Verpackung ist sehr gelungen und das Bonus-Material ist völlig ausreichend. Zudem befindet sich noch ein sehenswertes Inlay in der Hülle. Wahrscheinlich kann keine Rezension dem Film richtig gerecht werden. Mich hat Dolls z.B. erst beim zweiten Anschauen überzeugt. Man sollte sich einfach zurücklehnen und sich von den Bildern und der Stimmung des Films treiben lassen. Enden möchte ich mit einem Zitat von Takeshi Kitano zu Dolls: „Man kann den Film unterschiedlich wahrnehmen, abhängig davon, wie man sein eigenes Leben lebt, abhängig von der eigenen Einstellung.“Dolls - Cover 2

13. Januar 2013 | Verfasst von in Asiatische Filmkunst | 0 comments

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