Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

Die Ermordung - CoverWas spricht für einen Film, der über kaum Handlung verfügt, der nahezu keine Spannung bietet oder gar Action, aber trotzdem über zweieinhalb Stunden dauert? Im ersten Moment vielleicht nicht viel. Wenn man sich aber Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford angeschaut hat, wird man evtl. feststellen, dass dieser Film gar nicht die genannten Dinge braucht, um zu überzeugen.

Es wird die Geschichte des Banditen Jesse James und dessen letzten Abschnitt seines Lebens erzählt. Von seiner ehemaligen Bande sind nur er und sein Bruder Frank übrig. Deshalb heuern die beiden für ihren nächsten Coup eine Bande von Kleinganoven an, um eine einigermaßen schlagfertige Truppe zu haben. Unter diesen Gaunern befindet sich auch der 19-jährige Robert Ford, der Jesse James über alle Maßen verehrt und ihm schon seit seiner Kindheit nacheifert. Dies tritt in jeder Szene mehr als deutlich hervor, in der er mit Jesse James redet oder ihn nur beobachtet. Diese Verehrung scheint schon fast an Besessenheit zu grenzen und Jesse James zeigt Robert Ford auch, was er von seiner übertriebenen Verehrung hält. Am Ende bleibt die Frage, ob Robert Ford die Person Jesse James verehrt hat oder vielmehr die Position, in der dieser sich befand. Nämlich von allen entweder gefürchtet oder respektiert worden zu sein oder gar beides. Aber auf jeden Fall eine Persönlichkeit gewesen zu sein, die jeder kannte. Im Gegensatz zu dem Niemand namens Robert Ford.

Ruhige Aufnahmen, lange Dialoge und eine wundervolle Musik kennzeichnen diesen auf dem Buch von Ron Hansen basierenden Film. Dazu kommt noch eine Erzählerstimme, die dieses Gesamtpaket prächtig vollendet. Es kommt hier nicht darauf an, den Mythos des Jesse James aufrechtzuerhalten (ist eher das Gegenteil der Fall), sondern die Person menschlich darzustellen mit all seinen Fehlern. Dies wird von Brad Pitt hervorragend verkörpert, der die Figur des Jesse James mal absolut souverän, mal aber auch verletzlich darstellt. Sein Gegenpart wird von Casey Affleck gespielt, der die Person des Robert Ford mehr als überzeugend zu spielen vermag. So gleiten die knapp 160 min. am Zuschauer vorbei und man wird regelrecht hypnotisiert von den Bildern und den Charakteren des Films.

Zugegebenermaßen ist dieser Film schon besonders in seiner Art. Man könnte ihn vielleicht entfernt mit Dead Man vergleichen oder einem melancholischen Lied. Auf jeden Fall braucht man Geduld, um diesen Film genießen zu können. Leider gibt die Blu-ray bis auf ein schönes Bild nichts weiter her, sprich Bonusmaterial wird man hier nicht finden. Dennoch kann ich diesen Film nur empfehlen.

12. Januar 2013 | Verfasst von in Hollywood, Independent & Co | 0 comments

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