Cyberpunk Double Feature: Tetsuo & Electric Dragon 80.000 Volt

In einer sehr schicken Aufmachung vertreibt Rapid Eye Movies hier ein Double Feature der ganz besonderen Art. Filme, die wirklich nur Insider und eingefleischte Fans zu Gesicht bekommen – und das ist auch gut so.

Ein japanischer Büroangestellter fängt plötzlich eines Tages an, sich in eine Maschine zu verwandeln. Aus seiner Haut dringen Schläuche, Metall und Ähnliches. Unfähig diese Entwicklung zu stoppen oder gar zu kontrollieren, wird er immer gefährlicher für seine Mitmenschen…

In diesem so genannten „Cyberpunk“-Film von Regisseur Shinya Tsukamoto muss der Zuschauer schon starke Nerven mitbringen, um Tetsuo einigermaßen genießen zu können. Denn die Verschmelzung von Mensch und Maschine schlägt einem schon auf den Magen. Die s/w Bilder gewinnen durch schnelle und harte Schnitte an Tempo und Hektik, zudem sorgt der metallische Sound für die nötige Stimmung des Films. Dieser Film entstand Ende der Achtzigerjahre und sieht dementsprechend aus. Mit wenig Mitteln erschuf man hier Trash vom Feinsten. Die Handlung erschloss sich mir beim ersten Anschauen nicht, aber die Bilder sorgen schon alleine für eine innere Unruhe. Man kann Tetsuo mit den Begriffen grotesk, abschreckend, Kunst, Sex und natürlich Metall in Verbindung setzen.

Ein junger Mann ist als Kind auf einen Strommast geklettert und hat einen Stromschlag von 80.000 V bekommen. Von da an hat sich bei ihm eine übermenschliche Kraft entwickelt, die er nur schwer unter Kontrolle halten kann. Nach etlichen Behandlungen und dem Versuch als Boxer die Kraft richtig zu nutzen, fand er eine Leidenschaft, die ihn seine Kraft unter Kontrolle halten lässt, nämlich das Spielen auf einer E-Gitarre. Unter dem Namen „Dragon Eye Morrison“ gibt er abends Konzerte und arbeitet tagsüber als Tierfänger für entlaufene Reptilien. Eines Tages begegnet er „Thunderbolt Buddha“, der ebenfalls einen Stromschlag bekam und über starke Kräfte verfügt…

Electric Dragon von Regisseur Sogo Ishii aus dem Jahr 2001 ist wie Tetsuo schwarz/ weiß gehalten. Doch ist Electric Dragon weniger Cyberpunk, sondern vielmehr ein Punk/ Rock-Streifen auf Ecstasy. Die Qualität der Bilder ist besser und der Film bietet stellenweise echt coole Musik. Auch ist die Handlung nachvollziehbarer als bei Tetsuo. Electric Dragon erinnert ein wenig an ein Manga bzw. Anime, vor allem das Aufeinandertreffen der zwei Hauptpersonen.

Die Verpackung der zwei DVDs ist sehr schick. Die DVDs befinden sich in zwei Slim Cases und sind nahezu komplett durchsichtig. Zudem befindet sich noch ein Booklet mit den Interviews der zwei Regisseure (auf Englisch) in dem transparenten Plastikschuber. Ich kann diese beiden Filme nur denen empfehlen, die wissen auf was sie sich einlassen und denen, die sich mal etwas „andere“ Filme anschauen wollen. Denn Mainstream ist sicher etwas anderes. Tetsuo – The Iron Man und Electric Dragon 80.000 V sind ideale Beispiele dafür, dass Hingabe und Leidenschaft fürs Filmemachen kein großes Budget benötigt.

1. Februar 2013 | Verfasst von in Asiatische Filmkunst | 0 comments

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