Agitator

Blut, Folter und Action – keines der drei Sachen wird man mit Miikes Werk Agitator in Verbindung bringen können und dennoch überzeugt dieser Yakuza-Streifen durch Tiefgang und seinem epischen Ausmaß.

Der Direktor der Tenseikai, Kaito, plant die zwei verfeindeten Yakuza-Clans Yokomizo und Shirane zu übernehmen. Dazu muss er aber zunächst ihre jeweiligen Anführer beseitigen. Also fängt er an Unruhe in den Reihen der Clans zu stiften und entfacht so einen blutigen Kampf. Zunächst macht eine Gruppe des Shirane-Clans im Territorium der Yokomizos Ärger, so dass einer von ihnen getötet wird. Als nächstes wird dann der Boss der Yokomizos getötet. Um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, wird ein Treffen der zwei Yakuza-Gruppen vereinbart. Dort wird dem stellvertretenden Yokomizo-Anführer der Kopf des derzeitigen Shirane-Bosses als Entschädigung für den Tod seines Vorgesetzten angeboten, wenn er sich mit dem Shirane-Clan verbündet und sich gemeinsam der Tenseikai und Kaito unterwirft, ansonsten wird er getötet. Als Higuchi, der sich mit seinem Clan vor einigen Jahren den Yokomizos angeschlossen hat und sehr loyal gegenüber seinem ermordeten Boss war, dies erfährt, steigt er aus der Yokomizo-Gang aus und versucht die Ehre seines ehemaligen Anführers gemeinsam mit seinem langjährigen Begleiter Kunihiko zu retten und die Pläne von Kaito zu durchkreuzen…

Takashi Miike behandelt mit Agitator wie so oft sein Lieblingsthema die Yakuza. Doch wer hier übertriebene Gewalt, Absurditäten oder gar Surrealismus erwartet, wird eines besseren belehrt. Miike schuf einen „serösen“ Mafia-Streifen mit epischen Ausmaßen, in dem es um zwei rivalisierende Gangs geht, die durch einen Dritten noch mehr in ihrer Feindschaft gestärkt werden. Die Feindschaft will sich nun Kaito zum Vorteil machen und beide Clans übernehmen. Dies gelingt ihm auch durch raffinierte Schachzüge, doch hat er die Rechnung ohne einen loyalen Untergebenen einer der Clanbosse gemacht, der seine Pläne durchschaut und sich ihm widersetzt. Agitator ist zu Beginn noch etwas verwirrend und unklar, weil die ganzen Charaktere eingeführt werden und man als Zuschauer zunächst einen Überblick bekommen muss. Aber nach der ersten halben Stunde sollte dieser dann bestehen und man kann der Handlung besser folgen. In den knapp zweieinhalb Stunden bekommt man viele Personen zu sehen, die viele Dialoge führen. Dies ist zwar notwendig, ruft aber auch einen Hauch von Langeweile hervor. Andererseits verleiht dies dem Film auch Tiefe und bietet Platz für Rückblenden und der Darstellung der Beziehungen der Figuren zueinander. Man kann sicherlich Agitator nicht mit Der Pate vergleichen und ich will auch nicht so vermessen sein, dennoch erinnert der Film hin und wieder an das Mafiaepos und zeigt so das Potenzial von Agitator. Etwas störend empfand ich die Synchronisation. Allen voran die von Kunihiko. In zwei, drei Szenen bekommt man sogar den Originalton zu hören, wenn sich Leute prügeln. Auch wurden zwei Szenen zensiert. Ob nun von Miike selbst oder vom DVD-Verleih bleibt offen. Schlussendlich kann ich dieser DVD nur drei Sterne geben, da das Bild relativ schlecht ist und es bis auf einige Trailer kein zusätzliches Bonus-Material gibt. Der Film hingegen ist sicherlich 4 Sterne wert und wird denjenigen Freude bereiten, die auch mal 150 min. konzentriert einer Handlung folgen können (und wollen).

4. Januar 2013 | Verfasst von in Asiatische Filmkunst | 0 comments

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